Bonuswoche in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2010

Nach 450 Jahren Zukunft – das Geschenk der Gegenwart!
 
 
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden feiern in diesem Jahr ihr 450-jähriges Bestehen mit der groß angelegten Jubiläumsausstellung „Zukunft seit 1560“ und schenken sich selbst einen Blick ins Heute:
Martin Roth, Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen, hat den Studiengang „Kulturen des Kuratorischen“ der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst eingeladen, einen Blick in Gegenwart und Zukunft der Dresdener Sammlungen zu wagen. „Kulturen des Kuratorischen“ ist ein weiterbildendes, transdisziplinäres Studienangebot, das sich an KulturvermittlerInnen aus den verschiedensten Disziplinen wendet. Die Studierenden kommen aus der bildenden Kunst, dem Theater, dem Film, der Architektur und den Kulturwissenschaften und haben zum Jubiläum ein paar ungewöhnliche Geschenke eingepackt. Anlässlich der Wiedereröffnung des Albertinums präsentieren sie ihre Präsente im Rahmen der BONUSWOCHE vom 29. Juni bis 4. Juli 2010.

Die „Wunder Kammer“ bringt Schätze aus dem überbordenden Depotbeständen der Sammlung ans Licht und stellt dabei das Verhältnis zwischen gesammelter und gezeigter Kunst, zwischen Original und Reproduktion in Frage. Das Projekt „LAUF FEUER LAUF!“ wirft einen spielerischen Blick ins Innere der einzelnen Museen und fragt danach, was eine Kunstinstitution dieser Größe und Komplexität in Zeiten wachsenden Drucks von außen zusammen hält. Auch der Workshop „Museum Postkolonial?” wendet sich an die Mitarbeiter der Sammlungen, die gemeinsam die Frage erörtern, wie Geschichte im Museum dargestellt werden kann. Ein überraschender „Sichtwechsel“ erwartet die Zuschauer im Lipsius-Bau und die Berliner Künstlerin Bettina Hutschek wird in ihrer eigens für das Albertinum entwickelten Führung eine phantasievolle Erweiterung und Umdeutung der Geschichte der bestehenden Ausstellungen vornehmen. Schließlich lädt das Künstlerkollektiv UNWETTER zum „Discursive Picnic“ im neueröffneten Albertinum. Besucher und Passanten sind ausdrücklich eingeladen, beim gemeinsamen Picknick zwischen den deutschen Impressionisten ihre eigenen Projekte, Aktionen, Speisen und Picknick-Utensilien auszupacken, auszutauschen und weiterzuentwickeln.
Doch Vorsicht: All diese Ergänzungen zur Inventarliste der SKD sind temporär. Schnappen Sie sich die Geschenke, bevor sie sich wieder auflösen in einer Ökologie des Vorübergehenden. Nehmen Sie Teil an künstlerischen und theoretischen Interventionen, die allesamt die Frage stellen, wohin die Reise gehen könnte.
Vielleicht nach 450 Jahren Zukunft zurück in die Gegenwart?
 
Pressekontakt: presse.kdk@hgb-leizpig.de, 0341/2135-175
 
 

Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie

Geschenke bringen. Vergil, Äneis II, 49 / Laokoon

 

 

1

Verborgenes in Erscheinung

Gleich einem Eisberg unterhalb der Wasserlinie birgt das Depot als "Schatzkammer" temporär oder auch dauerhaft nicht zur Ausstellung gelangender Kunst den überwiegenden Anteil der eigentlichen Sammlung - im Verhältnis zu jener Kunst, die obenhalb des Wasserspiegels als Spitze des Eisbergs im Ausstellungsraum erscheint. Gemälde des Depots werden bildlich als mediale Projektionen in die Ausstellungsräume eingeführt. Die in ihrer Fülle in Erscheinung tretenden Depotbestände ergänzen dabei dialektisch oder synthetisch oder aber auf ganz unvorhergesehene Weise die haptisch realen Ausstellungsstücke. Ein Geflecht zwischen Original, Reproduktion und virtuellem Statthalter wird evoziert, der physische Ausstellungsraum überlagert vom virtuellen und umgekehrt.

PROJEKTIONEN von Kristin Reinhardt 

Di, 29 und Mi, 30. Juni 2010  Albertinum



 

Ein kommunikativer Funkenschlag

Über Gespräche mit Mitarbeiter/innen in den zwölf Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wird ein Lauffeuer entzündet, das sich selbst weiter entfacht. Sein Gegenstand: Feuer - als Thema der Kunst, als Bedrohung für die gesammelten Kunstwerke, aber auch als Moment der Inspiration im Entzünden einer künstlerischen Idee und als Movens für die tägliche Arbeit. Nach jedem Gespräch wird dem Gwesprächspartner eine Streichholzschachtel überreicht. Sie ist das Pfand für ein Experiment, ein Spiel, in dessen Verlauf die Streichholzschachteln durch die Institutionen wandern und kommunikative Funken schlagen.In ihrem Schein kann etwas sichtbar werden: die zerstörerischen ebenso wie die kreativen Potentiale des Feuers. Und dabei vielliecht auch das, was die SKD zusammenhält?

I have only one burnin' desire, let me stand next to your fire.

Jimmy Hendrix

SPIEL von Carolin Hochleichter, Sabine Manke und Luc-Carlin Ziemann 

Bis Mi, 30. Juni 2010

Link zum Projekt


3

Ein museumsinterner Workshop

In Museen und Ausstellungen begegnet uns die Gegenwärtigkeit von Geschichte: Objekte wie "Mohren", "Hottentotten" sowie Darstellungen von "Exotik" und "Orientalismus". So auch in den Sammlungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Museen und Kurator/innen stellen sich die Frage, wie sie Geschichte komplex darstellen können, ohne ein Publikum zu über- oder auch unterfordern.

Wie helfen in diesem Kontext postkoloniale Perspektiven, einen reflektierten udn zugleich distanzierten Blick auf Bedeutungsproduktion in Museen und Ausstellunge - jenseits des Eurozentrismus - zu fokussieren? Wie können Geschichtsdarstellungen Repräsentationen von "Kultur(en)" zeitgemäß präsentiert werden? Und: Welche spannenden Geschichten können Ausstellungen erzählen, wenn sie postkoloniale Narrationen einbeziehen? Ziel des Workshops ist es, Fragen aufzuwerfen und Diskussionen zum Stand von postkolonialer Ausstellungs- und Museumskritik zu initiieren. In Kooperation mit Peggy Buth, Künstlerin (Berlin/Leipzig).

Kontakt: kausch@engagiertewissenschaft.de

GESCHICHTEN von Stefan Kausch 

Do, 1. Juli 2010

 

4

Sichtwechsel/Sight Bill

Eine Inszenierung des Realen

Der Ausgang wird zum Eingang.

Was kostet die Welt? Was kostet die Kunst?

Es gibt Abläufe, deren Regeln allseits bekannt sind und die wir nicht anzweifeln. Dazu gehört das Kaufen einer Eintrittskarte, die es gestattet sich in einem Museum eine Ausstellung anzusehen. Das Museum als Ort der Bedeutungsproduktion udn der Wissensvermittlung steht im Dienst der Öffentlichkeit und ist allen Menschen zugänglich, die bereit sind das Eintrittsgeld zu bezahlen. Das wird annerkannt. Eine andere Möglichkeit: Wir zahlen im Museum kein Eintrittsgeld. Wir bezahlen beim Hinausgehen. Quo vadis? Was sehen wir? Die Banalität des Realen versus High Art - eine reale Handlungsanweisung wird zu einer symbolischen Handlung, die gewohnte institutionelle Abläufe hinterfragt udn die Wirklichkeit in den Fokus des Betrachters rückt. Die Welt als Bild, Bühne, Ausstellung.

IRRITATION von Kathrin Pohlmann 

Fr, 2. Juli 2010  Kunsthalle im Lipsiusbau


5

Visite Surprise

Eine performative Führung mit Bettina Hutschek

Bettina Hutschek verwebt Fakten mit eigener Fiktion, Erwiesenes und Gegebenes mit Erfundenem udn Mythologischem. In ihrer eigens für das Albertinum entwickelten Führung vollzieht die Künstlerin eine phantasievolle Erweiterung und Umdeutung der Geschichte des Hauses udn der bestehenden Ausstellungen. Deutungshoheiten udn Ordnungsprinzipien, wie sie für eine Sammlung selbstverständlich sind, setzt sie gleich mit ihrer persönlichen Konstruktion einer "großen" Erählung und führt damit alle Welterklärungsmodelle ad absurdum. Für die Besucher verwandelt sich das Albertinum so in einen Ort, der zu eigenen Sinnstiftungen und Bedeutungszuweisungen einlädt.

INSZENIERUNG von Elodie Evers 

Sa, 03. Juli 2010  14 und 17 Uhr  Albertinum

Videomitschnitt der Führung: hier


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UNWETTER

Discursive Picnic

Seit der Documenta11 verbindet das Künstlerkollektiv UNWETTER mit seiner Praxis der Discursive Picnics in einem fortlaufenden Prozess institutionelle und nicht-institutionelle Räume wie den Projektraum Sparwasser HQ, Berlin, die Liverpool Biennale, das Museum of Contemporary Art, Sydney, die Maifest7 in Bozen oder die Fußgängerzone von Palanga, Litauen. Discursive Picnics funktionieren als Potlucks, wo jeder zugleich Gast und Gastgeber ist. Anlässlich der Wiedereröffnung des neuen Albertinums laden wir Dresdner OFF-Räume, Kulturexperimente, Projekte, soziale Initiativen, Kunstinteressierte und Passanten ein, am 4. Juli 2010 zwischen den deutschen Impressionisten Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth ihre Projekte, Aktionen, Speisen udn Picknick-Utensilien auszupacken, auszutauschen und weiterzuentwickeln: We are invited/You are invited!

PICKNICK von Jasper Kettner und Jan Ketz 

So, 4. Juli  14 Uhr  Albertinum

Discursive Picnic im Albertinum, Dresden