Bonuswoche in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2010
Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie
Geschenke bringen. Vergil, Äneis II, 49 / Laokoon
Verborgenes in Erscheinung
Gleich einem Eisberg unterhalb der Wasserlinie birgt das Depot als "Schatzkammer" temporär oder auch dauerhaft nicht zur Ausstellung gelangender Kunst den überwiegenden Anteil der eigentlichen Sammlung - im Verhältnis zu jener Kunst, die obenhalb des Wasserspiegels als Spitze des Eisbergs im Ausstellungsraum erscheint. Gemälde des Depots werden bildlich als mediale Projektionen in die Ausstellungsräume eingeführt. Die in ihrer Fülle in Erscheinung tretenden Depotbestände ergänzen dabei dialektisch oder synthetisch oder aber auf ganz unvorhergesehene Weise die haptisch realen Ausstellungsstücke. Ein Geflecht zwischen Original, Reproduktion und virtuellem Statthalter wird evoziert, der physische Ausstellungsraum überlagert vom virtuellen und umgekehrt.
PROJEKTIONEN von Kristin Reinhardt
Di, 29 und Mi, 30. Juni 2010 Albertinum
Ein kommunikativer Funkenschlag
Über Gespräche mit Mitarbeiter/innen in den zwölf Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wird ein Lauffeuer entzündet, das sich selbst weiter entfacht. Sein Gegenstand: Feuer - als Thema der Kunst, als Bedrohung für die gesammelten Kunstwerke, aber auch als Moment der Inspiration im Entzünden einer künstlerischen Idee und als Movens für die tägliche Arbeit. Nach jedem Gespräch wird dem Gwesprächspartner eine Streichholzschachtel überreicht. Sie ist das Pfand für ein Experiment, ein Spiel, in dessen Verlauf die Streichholzschachteln durch die Institutionen wandern und kommunikative Funken schlagen.In ihrem Schein kann etwas sichtbar werden: die zerstörerischen ebenso wie die kreativen Potentiale des Feuers. Und dabei vielliecht auch das, was die SKD zusammenhält?
I have only one burnin' desire, let me stand next to your fire.
Jimmy Hendrix
SPIEL von Carolin Hochleichter, Sabine Manke und Luc-Carlin Ziemann
Bis Mi, 30. Juni 2010
Ein museumsinterner Workshop
In Museen und Ausstellungen begegnet uns die Gegenwärtigkeit von Geschichte: Objekte wie "Mohren", "Hottentotten" sowie Darstellungen von "Exotik" und "Orientalismus". So auch in den Sammlungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Museen und Kurator/innen stellen sich die Frage, wie sie Geschichte komplex darstellen können, ohne ein Publikum zu über- oder auch unterfordern.
Wie helfen in diesem Kontext postkoloniale Perspektiven, einen reflektierten udn zugleich distanzierten Blick auf Bedeutungsproduktion in Museen und Ausstellunge - jenseits des Eurozentrismus - zu fokussieren? Wie können Geschichtsdarstellungen Repräsentationen von "Kultur(en)" zeitgemäß präsentiert werden? Und: Welche spannenden Geschichten können Ausstellungen erzählen, wenn sie postkoloniale Narrationen einbeziehen? Ziel des Workshops ist es, Fragen aufzuwerfen und Diskussionen zum Stand von postkolonialer Ausstellungs- und Museumskritik zu initiieren. In Kooperation mit Peggy Buth, Künstlerin (Berlin/Leipzig).
Kontakt: kausch@engagiertewissenschaft.de
GESCHICHTEN von Stefan Kausch
Do, 1. Juli 2010
Eine Inszenierung des Realen
Der Ausgang wird zum Eingang.
Was kostet die Welt? Was kostet die Kunst?
Es gibt Abläufe, deren Regeln allseits bekannt sind und die wir nicht anzweifeln. Dazu gehört das Kaufen einer Eintrittskarte, die es gestattet sich in einem Museum eine Ausstellung anzusehen. Das Museum als Ort der Bedeutungsproduktion udn der Wissensvermittlung steht im Dienst der Öffentlichkeit und ist allen Menschen zugänglich, die bereit sind das Eintrittsgeld zu bezahlen. Das wird annerkannt. Eine andere Möglichkeit: Wir zahlen im Museum kein Eintrittsgeld. Wir bezahlen beim Hinausgehen. Quo vadis? Was sehen wir? Die Banalität des Realen versus High Art - eine reale Handlungsanweisung wird zu einer symbolischen Handlung, die gewohnte institutionelle Abläufe hinterfragt udn die Wirklichkeit in den Fokus des Betrachters rückt. Die Welt als Bild, Bühne, Ausstellung.
IRRITATION von Kathrin Pohlmann
Fr, 2. Juli 2010 Kunsthalle im Lipsiusbau
Eine performative Führung mit Bettina Hutschek
Bettina Hutschek verwebt Fakten mit eigener Fiktion, Erwiesenes und Gegebenes mit Erfundenem udn Mythologischem. In ihrer eigens für das Albertinum entwickelten Führung vollzieht die Künstlerin eine phantasievolle Erweiterung und Umdeutung der Geschichte des Hauses udn der bestehenden Ausstellungen. Deutungshoheiten udn Ordnungsprinzipien, wie sie für eine Sammlung selbstverständlich sind, setzt sie gleich mit ihrer persönlichen Konstruktion einer "großen" Erählung und führt damit alle Welterklärungsmodelle ad absurdum. Für die Besucher verwandelt sich das Albertinum so in einen Ort, der zu eigenen Sinnstiftungen und Bedeutungszuweisungen einlädt.
INSZENIERUNG von Elodie Evers
Sa, 03. Juli 2010 14 und 17 Uhr Albertinum
Videomitschnitt der Führung: hier
Discursive Picnic
Seit der Documenta11 verbindet das Künstlerkollektiv UNWETTER mit seiner Praxis der Discursive Picnics in einem fortlaufenden Prozess institutionelle und nicht-institutionelle Räume wie den Projektraum Sparwasser HQ, Berlin, die Liverpool Biennale, das Museum of Contemporary Art, Sydney, die Maifest7 in Bozen oder die Fußgängerzone von Palanga, Litauen. Discursive Picnics funktionieren als Potlucks, wo jeder zugleich Gast und Gastgeber ist. Anlässlich der Wiedereröffnung des neuen Albertinums laden wir Dresdner OFF-Räume, Kulturexperimente, Projekte, soziale Initiativen, Kunstinteressierte und Passanten ein, am 4. Juli 2010 zwischen den deutschen Impressionisten Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth ihre Projekte, Aktionen, Speisen udn Picknick-Utensilien auszupacken, auszutauschen und weiterzuentwickeln: We are invited/You are invited!
PICKNICK von Jasper Kettner und Jan Ketz
So, 4. Juli 14 Uhr Albertinum

