Bonuswoche zum Jubiläum „Zukunft seit 1560“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: Der Studiengang Kulturen des Kuratorischen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ist eingeladen und gratuliert. Ein Jubiläum = ein Geburtstag = ein Anlass für Geschenke. Doch was will man einer Institution wie dieser schenken? Personal? Da ist der Freistaat Sachsen gefragt. Ein Bild oder eine Skulptur? Haben die Staatlichen Kunstsammlungen am Ende schon alles? Wir meinen: Auf keinen Fall und haben für Sie eingepackt etwas zum Wundern1, etwas Feuriges2, etwas zum Mitdenken3, etwas Verdrehtes4, etwas Verrücktes5 und etwas zum Essen6! Doch Vorsicht: Unsere Ergänzungen zur Inventarliste sind flüchtig, ephemer und deswegen nicht für das Depot geeignet. Schnappen Sie sich unsere Geschenke, bevor sie sich wieder auflösen in einer Ökologie des Vorübergehenden. Nehmen Sie Teil an unseren künstlerischen und theoretischen Interventionen und beantworten Sie zusammen mit uns die Frage, wohin die Reise gehen könnte. Nach 450 Jahren Zukunft zurück in die Gegenwart?

Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie
Geschenke bringen. Vergil, Äneis II, 49 / Laokoon


Wunder Kammer
Verborgenes in Erscheinung

Gleich dem Eisberg unterhalb der Wasserlinie birgt das Depot als „Schatzkammer“ temporär oder auch dauerhaft nicht zur Ausstellung gelangender Kunst den überwiegenden Anteil der eigentlichen Sammlung – im Verhältnis zu jener Kunst, die oberhalb des Wasserspiegels als Spitze des Eisbergs im Ausstellungsraum erscheint. Gemälde des Depots werden bildlich als mediale Projektion in die Ausstellungsräume eingeführt. Die in ihrer Fülle in Erscheinung tretenden Depotbestände ergänzen dabei dialektisch oder synthetisch oder aber auf ganz unvorhergesehene Weise die haptisch realen Ausstellungsstücke. Ein Geflecht zwischen Original, Reproduktion und virtuellem Statthalter wird evoziert, der physische Ausstellungsraum überlagert vom virtuellen und umgekehrt.

PROJEKTIONEN Ab Di, 29. Juni 2010 Albertinum


LAUF FEUER LAUF!
Ein kommunikativer Funkenschlag

Über Gespräche mit Mitarbeiter/innen in den zwölf Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wird ein Lauffeuer entzündet, das sich selbst weiter entfacht. Sein Gegenstand: Feuer – als Thema der Kunst, als Bedrohung für die gesammelten Kunstwerke, aber auch als Moment der Inspiration im Entzünden einer künstlerischen Idee und als Movens für die tägliche Arbeit. Nach jedem Gespräch wird dem Gesprächspartner eine Streichholzschachtel überreicht. Sie ist das Pfand für ein Experiment, ein Spiel, in dessen Verlauf die Streichholzschachteln durch die Institution wandern und kommunikative Funken schlagen. In ihrem Schein kann etwas sichtbar werden: die zerstörerischen ebenso wie die kreativen Potentiale des Feuers. Und dabei vielleicht auch das, was die SKD zusammenhält?

I have only one burnin‘ desire, let me stand next to your fire
Jimmy Hendrix

spiel Bis Mi, 30. Juni 2010



Museum Postkolonial?
Ein museumsinterner Workshop

In Museen und Ausstellungen begegnet uns die Gegenwärtigkeit von Geschichte: Objekte wie „Mohren“, „Hottentotten“ sowie Darstellungen von „Exotik“ und „Orientalismus“. So auch in den Sammlungen der SKD. Museen und Kurator/innen stellen sich die Frage, wie sie Geschichte komplex darstellen können, ohne ein Publikum zu über- und auch zu unterfordern.
Wie helfen in diesem Kontext postkoloniale Perspektiven, einen reflektierten und zugleich differenzierten Blick auf Bedeutungsproduktion in Museen und Ausstellungen – jenseits des Eurozentrismus – zu fokussieren? Wie können Geschichtsdarstellungen und Repräsentationen von „Kultur(en)“ zeitgemäß präsentiert werden? Und: Welche spannenden Geschichten können Ausstellungen erzählen, wenn sie postkoloniale Narrationen einbeziehen? Ziel des Workshops ist es, Fragen aufzuwerfen und Diskussionen zum Stand von postkolonialer Ausstellungs- und Museumskritik zu
initiieren. In Kooperation mit Peggy Buth, Künstlerin (Berlin/Leipzig).

geschichten Do, 1. Juli 2010
Infos/Kontakt: Mail an:
kausch@engagiertewissenschaft.de


Sichtwechsel / Sight Bill
Eine Inszenierung des Realen

Der Ausgang wird zum Eingang. 
Was kostet die Welt? Was kostet die Kunst?

Es gibt Abläufe, deren Regeln allseits bekannt sind und die wir nicht anzweifeln. Dazu gehört das Kaufen einer Eintrittskarte, die es gestattet sich in einem Museum eine Ausstellung
anzusehen. Das Museum als ein Ort der Bedeutungsproduktion und der Wissensvermittlung steht im Dienst der Öffentlichkeit und ist allen Menschen zugänglich, die bereit sind das
Eintrittsgeld zu bezahlen. Das wird anerkannt. Eine andere Möglichkeit: Wir zahlen im Museum kein Eintrittsgeld. Wir bezahlen beim Hinausgehen. Quo vadis? Was sehen wir?
Die Banalität des Realen versus High Art – eine reale Handlungsanweisung wird zu einer symbolischen Handlung, die gewohnte institutionelle Abläufe hinterfragt und die Wirklichkeit
in den Fokus des Betrachters rückt. Die Welt als Bild, Bühne, Ausstellung.

Irritation Fr, 2. Juli 2010 Kunsthalle im Lipsiusbau


Visite Surprise
Eine performative Führung
mit Bettina Hutschek

Bettina Hutschek verwebt Fakten mit eigener Fiktion, Erwiesenes und Gegebenes mit Erfundenem und Mythologischem. In ihrer eigens für das Albertinum entwickelten Führung vollzieht die Künstlerin eine phantasievolle Erweiterung und Umdeutung der Geschichte des Hauses und der bestehenden Ausstellungen. Deutungshoheiten und Ordnungsprinzipien, wie sie für eine Sammlung selbstverständlich sind, setzt sie gleich mit ihrer persönlichen Konstruktion einer „großen“ Erzählung und führt damit alle Welterklärungsmodelle ad absurdum. Für die Besucher verwandelt sich das Albertinum so in einen Ort, der zu eigenen Sinnstiftungen und Bedeutungszuweisungen einlädt.

inszenierung Sa, 03. Juli 2010 Albertinum
14 Uhr und 17 Uhr Albertinum



UNWETTER
Discursive Picnic

Seit der Documenta11 verbindet das Künstlerkollektiv UNWETTER mit seiner Praxis der Discursive Picnics in einem fortlaufenden Prozess institutionelle und nicht-institutionelle Räume wie den Projektraum Sparwasser HQ, Berlin, die Liverpool Biennale, das Museum of Contemporary Art, Sydney, die Manifesta7 in Bozen oder die Fußgängerzone von Palanga, Litauen. Discursive Picnics funktionieren als Potlucks, wo jeder zugleich Gast und Gastgeber ist. Anlässlich der Wiedereröffnung des neuen Albertinums laden wir Dresdner OFF-Räume, Kulturexperimente, Projekte, soziale Initiativen, Kunstinteressierte und Passanten ein, am 4. Juli 2010 zwischen den deutschen Impressionisten Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth ihre Projekte, Aktionen, Speisen und Picknick-Utensilien auszupacken, auszutauschen und weiterzuentwickeln: We are invited/You are invited!

picknick So, 4. Juli 2010 14 Uhr Albertinum
Infos: http://www.un-wetter.net
Hier Informationen zur Bonuswoche als PDF runterladen.                        www.skd.museum.de