LAUF FEUER LAUF! Ein kommunikativer Funkenschlag
Carolin Hochleichter, Sabine Manke, Luc-Carolin Ziemann
im Rahmen der Bonuswoche
Über Gespräche mit Mitarbeiter/innen in den elf Museen der SKD wurde in diesem Projekt ein Lauffeuer entzündet, das sich schließlich selbst weiter entfachen konnte und so zu einem Großteil dann auch sich selbst überlassen blieb. Sein Gegenstand: Feuer – als Thema der Kunst, als Bedrohung für die gesammelten Kunstwerke, aber auch als Moment der Inspiration im Entzünden einer künstlerischen Idee und als Movens für die tägliche Arbeit. Nach jedem der insgesamt elf Gespräche wurde dem Gesprächspartner eine Streichholzschachtel überreicht. Sie war das Pfand für ein Experiment, ein Spiel, in dessen Verlauf die Streichholzschachteln durch die Institution wandern und kommunikative Funken schlagen konnte. In ihrem Schein konnte verschiedenes sichtbar werden: die zerstörerischen ebenso wie die kreativen Potentiale des Feuers. Und dabei vielleicht auch das, was die SKD zusammenhält? I have only one burnin' desire, let me stand next to your fire (Jimmy Hendrix)
Als das Projekt LAUF FEUER LAUF! am 30. Juni 2010 zu Ende ging, ist nicht viel Sichtbares übrig geblieben. Ein paar Streichholzschachteln haben den Weg zu uns zurück gefunden, viele aber auch nicht und es ist gut möglich, dass sich der Inhalt der Schachteln auf dem Weg, den sie durch die Institution zurückgelegt haben, verändert hat. Wir begreifen diese Streichholzschachteln nicht als Kunstgegenstände, sondern als Kommunikationsmedien. Sie sollen benutzt werden. Sie sollen Kommunikation initiieren, vorantreiben und – wie jedes Medium – durch ihren spezifischen Charakter prägen.
Die elementaren Ergebnisse dieses Projekts sind nicht sichtbar, denn sie fanden (und finden?) in den Köpfen der beteiligten Personen statt. Die Streichholzschachteln waren die Inititalzündung für ein institutionsinternes Lauffeuer, das getragen wurde durch die Neugierde der beteiligten Personen. Die Neugierde auf andere Menschen, andere Arbeitsweisen, kreative Prozesse, eine Neugierde, die gespeist wird von der gegenseitigen Bereitschaft, sich auf das Gegenüber einzulassen und vorurteilsfrei miteinander ins Gespräch zu kommen.
Die Transformationen, um die es in diesem Projekt geht, finden ihren Ausdruck in der Erweiterung der Horizonte all derjenigen, die bereit sind, sich auf das Experiment einzulassen, die eigene Praxis durch die Augen anderer wahrzunehmen und sich ihrerseits in fremde (Arbeits)-logiken einzudenken. Das betraf alle am Projekt Beteiligten, also auch unsere eigene Sicht auf die Staatlichen Kunstsammlungen, auf Kunst generell und auf die Frage, wie wir leben, kreativ sein und (zusammen) arbeiten wollen. Gleiches gilt hoffentlich für diejenigen, die den Schachteln ihren Weg durch die Institution gebahnt haben, die Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen. Schon in den ausführlichen Gesprächen, die der Gestaltung der Streichholzschachteln vorausgingen, fand ein Austausch statt, der von unseren Gesprächspartnern ausdrücklich als Bereicherung empfunden wurde. In der Phase, in der die Schachteln wie kleine U-Boote durch die Häuser kreuzten (03.-30.06.2010), befanden wir uns in der Hauptphase des Projekts. In dieser Zeit wurden die Mitarbeiter der SKD mit vielen Ideen und Anstößen, Stolpersteinen und Fragen konfrontiert, die letztlich nicht wir Ihnen gestellt haben, sondern die aus der Institution selbst aufgetaucht sind. Wir haben ihnen nur eine Form und den ersten Impuls gegeben, damit sie sich auf den Weg durch die Büros und die Sammlungen, die Archive und die Werkstätten machen können. Wir hoffen – und das ist unser Bonus, den wir der SKD zum Jubiläum ans Herz gelegt haben, dass sich die Mitarbeiter mit ihrer Hilfe untereinander nicht nur über das Projekt, sondern idealerweise auch darüber verständigen können, was die Essenz ihrer Arbeit an den Kunstsammlungen ausmacht.

