Well Connected - Kuratorisches Handeln im 21. Jahrhundert

Well connected – Kuratorisches Handeln im 21. Jahrhundert ist eine Heftreihe, die sich dem Feld des Kuratorischen als einer Überschneidungsfläche von Kultur und Gesellschaft widmet. Verankert in dem Studienprogramm Kulturen des Kuratorischen und in einer Kooperation mit dem Contemporary Art Centre Vilnius und den KW Institute for Contemporary Art, Berlin werden die gesellschaftlichen Implikationen des Kuratorischen beleuchtet.

Prozesse der Zusammenstellung und Verknüpfung von Objekten, Informationen, Menschen und Orten, die Übernahme von Verantwortung und die Kompetenz des kulturübergreifenden Austauschs erweisen sich derzeit nicht allein für die Konzeption, Einrichtung und Vermittlung von Ausstellungen und/oder Kulturveranstaltungen als zentral, sondern erhalten als Schlüssel-Kompetenzen Eingang in die durch Globalisierung und Postfordismus geprägten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse. „Well connected“ zu sein stellt gegenwärtig eine notwendige Kondition und qualifizierende Anforderung dar.

Die Heftreihe Well Connected versteht sich als Plattform, auf der die Verwandtschaft zwischen kuratorischem Handeln und derzeit bestehenden Arbeits- und Lebensverhältnissen diskutiert und kritisch kommentiert wird. Internationale Künstler/innen, Kulturschaffende sowie Wissenschaftler/innen entwickeln Beiträge für das gedruckte Heft. Leitender Gedanke ist es, dass sich das Printmedium in spezifischer Weise dafür eignet, verschiedene Bereiche (Kunst und Wissenschaft, Praxis und Theorie) auf einer Ebene miteinander zu verzahnen und gleichzeitig einen interdisziplinären und interkulturellen Austausch zu initiieren. Ziel ist es daher, die Möglichkeit des gedruckten Hefts – analog zu denen einer Präsentation im Ausstellungsraum – für die bedeutungsstiftende Praxis des Kuratorischen neu zu bestimmen. Dementsprechend greift das Projekt Well Connected nicht nur kuratorische Fragestellungen auf, sondern die Publikationen stellen selbst ein Experimentierfeld für das Kuratorische dar.

Begleitet wird die Heftreihe von Workshops, Ausstellungen, Diskussionsreihen sowie Filmprogrammen.

 

Das Projekt Well Connected wird gefördert von der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., Fellowship für Kulturinnovation.

Projektleitung: Vera Lauf

 

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Veranstaltungen "Well Connected"

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Curators and artists in postdemocratic times: art – politics – market/ing

organized by Well Connected in cooperation with the Contemporary Art Centre Vilnius

Workshop with Joanna Warsza and others

Contemporary Art Centre Vilnius, October, 20th 2011, 6.30 pm

 

Art is made of people
People organize themselves in states
The state is a wonderful creature
Artists of the world – design your states
Are we bound to be mimetic artists, enemies of the state?
Can we become performers of our citizenship, designers of the real?
(Omer Kriegier, Public Movement)

In her text „Politics of Art: Contemporary Art and the Transition to Postdemocracy“ (http://www.e-flux.com/journal/view/181) Hito Steyerl discusses the contemporary politics of the art field. Thereby she does not so much focus on the so-called political art but rather on the strategies of the political field to appropriate art and culture as a symbolic capital. Steyerl particularly analyses processes that can also be increasingly observed in many postsocialist cities such as Vilnius. In the context of neoliberal economic structures, ‘postdemocratic’ influences and the current financial crisis, the field of art and culture gains an important function for city marketing and even for election campaigns in the Lithuanian capital.

The ‘Transition to Postdemocracy’ which Steyerl speaks about is just as visible elsewhere where it becomes the core of increasing European protests. A post-democratic state is a state where a democracy is limited or not fully executed for various reasons. The European march of Les Indignés, The Wall Street Occupation or other various counter-movements in Europe manifest themselves against the State run as corporation or as exclusive, aristocratic clubs. Their slogans like ‘People over profit’, ‘we are the 99%’ or ‘Fuck the May 68 act now’ make us rethink the concept of a representative democracy.

The workshop wants to draw a new perspective on the widely discussed delicate entanglements of art with politics by, on the one hand, analyzing concise examples and, on the other hand, by asking, how a new perspective on the ambivalent relationship between art – politics – and the market can be linked to topical questions of curatorship. First: What are the analogies of (urban) politics/(city) marketing strategies and curatorial processes (e. g. in regard to notions of symbolic capital a. o.)? Second: What is the place of artists and curators in those circumstances other then questioning the status quo? How to practically implement the concepts and discourses produced within the art field? Third: How to overcome the decorative and marketing function that is imposed on art by the state and by the market? What are the possibilities of art’s self-empowerment?

The participants are asked to prepare a 5 min presentation (with a picture or internet link) showing a strategy of artistic or curatorial work, which is not only critical but also effective and performative.

The workshop is part of the project Well Connected.

Well Connected is a series of events and publications which focuses on the specificity of the curatorial that is recently gaining increasing importance on the interface of the cultural and social fields. The project takes into account that connecting things, material, information, people and spaces, that creating interdisciplinary and intercultural networks, that taking response by selecting and mediating information refers not only to the conception and organisation of exhibitions but gains likewise importance in the socio-economic field. Under the conditions of Globalisation and Postfordism the above-mentioned processes and actions become dominant skills in our current society. This collaborative initiative between the Academy of Visual Arts Leipzig, the Contemporary Art Centre (CAC) Vilnius and the KW – Institute for Contemporary Art Berlin sets a platform to discuss social implications of the curatorial in diverse formats.

Joanna Warsza is the founder of Laura Palmer Foundation (http://www.laura-palmer.pl) and currently holds the position of associate curator of the 7th Berlin Biennial.

Von Schmugglern und Grenzgängern

Kurzfilmprogramm zu Ökonomien der Grenze

Am Montag, den 18.04.2011 um 20.00 Uhr

in der Cinémathèque Leipzig, Karl-Liebknecht-Str. 46, 04275 Leipzig
Tel. 03 41 / 3 91 55 39

Täglich überqueren marokkanische Frauen die Grenze zwischen Spanien und Marokko. Sie arbeiten in Spanien als Hausmädchen und Kinderfrauen und schmuggeln auf dem Rückweg unter ihren langen Gewändern aus China importierte Artikel nach Nordafrika – alles unter den Augen der offiziellen Grenzposten.

Die Rede von der Festung Europa verkennt die Tatsache, dass Europas Grenzen keineswegs undurchdringlich sind, sondern ein ausgeklügelten System der Ein- und Ausschlüsse bilden, das jede Menge Türen offen lässt. Wer diese Türen benutzt, nimmt in Kauf, durch diesen Schritt zu einem „Sans Papiers“ zu werden, dem die Grenzökonomie nur mehr den Status des Illegalen zuerkennt, obwohl oder gerade weil das System seine Arbeitskraft dringend braucht.

Das Kurzfilmprogramm „Von Schmugglern und Grenzgängern“ zeigt vier Arbeiten, die den Blick auf unterschiedliche Formen von Grenzökonomien richten. Der preisgekrönte Kurzfilm „Wagah“ dokumentiert ein skurriles Militär-Spektakel an der heiß umkämpften Grenze zwischen Indien und Pakistan, das Abend für Abend von tausenden Schaulustigen auf beiden Seiten der Grenze verfolgt wird. Von dieser Art der Eventisierung der Grenze ist die Situation, die Laura Waddington zu ihrem Film „Border“ inspiriert hat, weit entfernt. Die Videokünstlerin begleitete monatelang Flüchtlinge, die von der französischen Grenzstadt Sangatte aus versuchen, sich als blinde Passagiere unter LKWs durch den Eurotunnel nach England einzuschmuggeln. Ursula Biemann und Angela Sanders machen in ihrem Essayfilm „Europlex“ die obskuren Wege und Vorgänge sichtbar, die sich täglich in einem ständigen Kreislauf zwischen legalen und illegalen Netzwerken des Handels am Checkpoint der spanischen Enklave Ceuta abspielen. Clemens von Wedemeyer erzählt schließlich in seinem Film „Otjesd“ davon, wie sich die Logik der Grenze bis in den Alltag ausbreitet und es schließlich nicht nur die realen Grenzen sind, die die Bewegung von Menschen reglementieren, sondern die bürokratischen Hürden, die einem legalen Grenzübertritt vorgelagert sind.

Die Filme:

„Wagah“ Regie: Supriyo Sen, Deutschland 2009, 14 min.

„Otjesd“ Regie: Clemens von Wedemeyer, Deutschland 2005, 15 min.

„Border“ Regie: Laura Waddington, Frankreich/UK 2004, 27 min.
(aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen)

„Europlex“ Regie: Ursula Biemann, Angela Sanders, Schweiz 2003, 20 min.

Eine Veranstaltung von „Well Connected“ in Verbindung mit „Kulturen des Kuratorischen“, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

Karten: 5,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro

"Europlex" Ursula Biemann / Angela Sanders, 2003, Filmstill

Workshop: Die Zeitschrift als Ausstellung

Dr. Antje Krause-Wahl
17. Januar 2011

„Continuous Project“ lautet der Titel einer Zeitschrift, die 2003 von Bettina Funcke, Wade Guyton, Joseph Logan und Seth Price ins Leben gerufen wurde. Die erste Ausgabe bestand aus einer kompletten Kopie der von Willoughby Sharp und Liza Bear herausgegeben Zeitschrift Avalanche, die sich den neuen Kunstformen der 1960er und 1970er Jahre widmete und vor allem Interviews mit Künstlern abdruckte. „Continuous Project“ legt in der Praxis der Wiederholung nicht nur den Fetischcharakter offen, den historische Zeitschriften mittlerweile haben, sondern weist auf die Aktualität der Auseinandersetzung mit diesem Medium.
Kunst- und Künstlerzeitschriften waren schon immer ein zentrales Instrument zur Verbreitung der Ideen der Avantgarden. Mit Hilfe von Zeitschriften formieren sich (Künstler)Gruppen mit dem Ziel, eine Öffentlichkeit für ihre künstlerischen Belange zu schaffen. Zeitschriften sind Orte des Ideenaustauschs und der künstlerischen Auseinandersetzung. Zeitschriften sind aber auch, so die These, die im Workshop verfolgt werden soll, Ausstellungsplattformen. Hierbei ist neben den veröffentlichten Texten, vor allem das visuelle Erscheinungsbild einer Zeitschrift entscheidend. Denn die jeweilige Gestaltung - Fotografien, Zeichnungen, Texte, Typografie zusammengefasst in einem Layout -  visualisiert die der Zeitschrift zugrunde liegende Konzeption.

Der Workshop wird nach einem einführenden Überblick über die Geschichte der Künstlerzeitschriften vor allem auf diejenigen Zeitschriften fokussieren, die als „Ausstellungsplattformen“ verstanden werden können (Artforum, Interfunktionen u.a.). Wir beginnen mit den späten 1960er Jahren in denen im Zuge der „Dematerialisierung des Kunstobjektes“ die gedruckte Idee entscheidend an Bedeutung gewinnt.